Ernährung und Migräne

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Betroffene bemerken oftmals einen Zusammenhang zwischen ihrer Migräne und der Ernährung. Häufig folgen die Attacken auf den Genuss bestimmter Lebensmittel – z.B. auf Rotwein, Käse, Zitrusfrüchte oder Süßigkeiten. Auch der Geschmacksverstärker Glutamat, Konservierungsstoffe, der Neurotransmitter Histamin oder der künstliche Süßstoff Aspartam werden für Kopfschmerzattacken verantwortlich gemacht.

Was genau und warum Migräne auslöst, ist allerdings noch nicht endgültig erforscht. Klar ist jedoch inzwischen, dass es sich um eine angeborene Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn handelt. Menschen, die an Migräne erkrankt sind, reagieren empfindlicher auf Reize, sind grundsätzlich aktiver und leistungsfähiger und kommen so auf einen konstant hohen Energieverbrauch.

Und genau diese Energie ist es, die kontinuierlich zugeführt werden sollte, damit es nicht bei zusätzlichen auslösenden Reizen (sogenannten Triggern) zu Kopfweh kommt. Zu den Triggern gehören beispielsweise Stress, eine Änderung der Hormonlage oder bestimmte Nahrungsmittel.

Um auszuloten, ob und welches Nahrungsmittel als Trigger infrage kommt, bietet sich ein Ernährungs- und Kopfschmerztagebuch an. In dieses werden detailliert die aufgenommenen Nahrungsmittel, die Uhrzeiten sowie Besonderheiten eingetragen, dazu eventuell auftretende Schmerzen. In Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt lässt sich dann vielleicht eine Lebensmittelüberempfindlichkeit ermitteln.

Das Chinarestaurant-Syndrom

Basierend auf den Unverträglichkeiten auf z.B. das Pökelsalz Nitrit, das beim Haltbarmachen von Wurst und Fleisch verwendet wird, sowie auf den Geschmacksverstärker Glutamat, der in vielen asiatischen Gerichten zum Einsatz kommt, spricht man auch von Hot-Dog-Kopfschmerz und Chinarestaurant-Syndrom.

Experten gehen davon aus, dass z.B. Glutamat im Organismus wie ein Botenstoff wirkt, der durch eine Überaktivierung der Nervenzellen im Gehirn die Kopfpein auslöst. Aber auch Taubheitsgefühle im Gesicht, Nackensteife oder Magenschmerzen sind mögliche Folgen eines „Genusses“ von Glutamat. Dieser kritische Stoff steckt vielfach in Fertiggerichten, Chips oder Sojasoßen. Ein Hinweis auf der Verpackung ist die Bezeichnung „Mononatriumglutamat“ oder auch „E621“.

Doch nicht nur diese Zusatzstoffe können Kopfschmerzen und Migräne auslösen, auch Zucker spielt eine wichtige Rolle. Betroffene kennen das Phänomen, dass ein Heißhunger auf Süßes oder Hochkalorisches einem Anfall vorausgeht. Vielfach wird dann der rasch verzehrten Süßigkeit die Schuld am Schmerzanfall gegeben.

Neue Forschungen zeigen jedoch, dass das Naschen nicht den Schmerz auslöst. Der Heißhunger ist vielmehr eine letzte – meist vergebliche – Schutzreaktion des Körpers, um einem Energiedefizit in den Nervenzellen vorzubeugen.

Zucker, insbesondere Einfachzucker wie er in Gummibärchen, Schokolade und Co. enthalten ist, treibt den Blutzuckerspiegel schnell nach oben – aber leider auch genauso schnell wieder nach unten. Durch dieses Auf und Ab kann es ebenfalls zu Schmerzattacken kommen.

Einige Ernährungstipps bei Migräne

Ein ausreichender Flüssigkeitshaushalt ist wichtig. Pro Tag sollte man mindestens 1,5 Liter Wasser – möglichst magnesiumreich – trinken. Man sollte kontinuierlich über den Tag verteilt trinken. Dabei darauf achten, dass das Wasser nicht zu kalt ist, sonst kann es wiederum zu Kältekopfschmerzen kommen.

Empfehlenswert sind Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Müsli, Gemüse und Hülsenfrüchten. Diese halten lange satt und liefern zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Außerdem wirken sie sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Wichtig ist auch, regelmäßig zu essen – und möglichst mit Ruhe und Genuss.

Entscheidend ist auch eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Ganz oben auf der Liste stehen Magnesium und Vitamin B2. Das auch Riboflavin genannte Vitamin B2 unterstützt im Gehirn den Aufbau von Nervenbahnen; fehlt Magnesium, kann es zu einer Übererregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen kommen.

Fettes Fleisch, stark gesalzene, geräucherte und scharfe Speisen sollten hingegen selten bis gar nicht auf dem Speiseplan stehen. Allerdings heben die Experten auch hervor, dass keine spezielle Migräne-Diät nötig ist. Und: Essen sollte keinen zusätzlichen Stress verursachen! Wer also doch einmal etwas scheinbar „Falsches“ gegessen hatte, weil es ihm geschmeckt hat, soll dies ruhig zulassen.

Auch den Tipp, einen Espresso mit Zitronensaft gegen die Schmerzen zu trinken, relativieren Kopfschmerzexperten wie Prof. Göbel von der Kieler Schmerzklinik. „Sparen Sie sich den Zitronensaft, er schmeckt scheußlich und hat keinen Nutzen“, so der Wissenschaftler. Er rät stattdessen zu einem Glas Wasser zum Kaffee – wobei auch dieser Tipp keine Erfolgsgarantie bietet.