Clusterkopfschmerz – schlimmer als Migräne

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Der Clusterkopfschmerz wird auch als Bing-Horton-Syndrom bezeichnet. In Deutschland sind rund 120.000 Menschen betroffen, davon etwa dreimal mehr Männer als Frauen. Am häufigsten erkranken Männer zwischen 20 und 40 Jahren, vor allem um das 30. Lebensjahr herum. Grundsätzlich kann die Krankheit aber auch im höheren Alter erstmals auftreten.

Die extremen, streng einseitig auftretenden Kopfschmerzen werden typischerweise von weiteren Symptomen begleitet. Dazu zählen tränende Augen oder eine laufende Nase, Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichts sowie eine Schwellung des Augenlids.

Häufig ist auch das sogenannte Horner-Syndrom festzustellen, bei der auf der vom Schmerz betroffenen Gesichtsseite die Pupille verengt ist, das Oberlid herabhängt und der Augapfel in die Augenhöhle eingesunken ist. Allerdings ist dieses Syndrom auch bei anderen Erkrankungen möglich, so dass es kein eindeutiges Zeichen für Clusterkopfschmerz ist.

Typisch sind Kopfschmerzattacken, die zwischen 15 und 180 Minuten andauern. Diese Anfälle können auch mehrmals täglich auftreten. Die Schmerzen sind derart stark, dass sie die Lebensqualität massiv einschränken, nicht selten entwickelt sich bei andauerndem Clusterkopfschmerz auch eine Depression.

Die Schmerzen treten in vielen Fällen immer zur gleichen Tageszeit auf, am häufigsten ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden. So können Betroffene vielfach nach ihrem Schmerz „die Uhr stellen“. Gehäuft sind Attacken im Frühling und im Herbst.

Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Menschen, die unter Clusterkopfschmerzen leiden, während einer Attacke extrem unruhig. Sie laufen beispielsweise im Zimmer auf und ab oder wippen mit dem Oberkörper. Bei Migräne suchen Betroffene hingegen Ruhe und versuchen, sich so wenig wie möglich zu bewegen.

Zu den Ursachen des Clusterkopfschmerzes

Noch sind die Ursachen des Clusterkopfschmerzes nicht genau bekannt. Da die Attacken gehäuft zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten auftreten, wird davon ausgegangen, dass eine Fehlsteuerung biologischer Rhythmen im Hypothalamus zugrundeliegt. In Studien wurde gezeigt, dass die Hirnregion rund um den Hypothalamus bei Clusterkopfschmerzpatienten stärker aktiv ist als bei Gesunden.

Auch die Vererbung spielt offenbar eine Rolle. Verwandte ersten Grades haben ein etwa 18-fach höheres Risiko, ebenfalls an Clusterkopfschmerzen zu erkranken.

Zudem gibt es Auslöser, die Clusterkopfschmerzattacken verursachen können. An erster Stelle ist hier Alkohol zu nennen. Schon geringe Mengen Alkohol können bei Erkrankten einen Anfall auslösen oder ihn verstärken. Aber auch Nikotin, Schokolade, Nüsse, Käse, histaminhaltige Nahrungsmittel sowie gefäßerweiternde Medikamente können Clusterkopfschmerzen bewirken. Bei körperlicher Anstrengung sowie durch Flimmer- und Blendlicht (z.B. beim Autofahren oder durch den Fernseher) sind ebenfalls Attacken möglich.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose eines Clusterkopfschmerzes wird vor allem auf Grundlage einer umfassenden Anamnese (Krankheitsgeschichte) erstellt. Die möglichen Begleiterscheinungen wie tränendes Auge, laufende Nase, Lidschwellung oder körperliche Unruhe verweisen den behandelnden Arzt häufig direkt auf Clusterkopfschmerzen.

Die Behandlung der Schmerzen ist schwierig, da die üblichen Schmerzmittel meist wirkungslos bleiben. Selbst Opioide haben fast nie eine ausreichende Wirkung. Gut wirksam bei akuten Anfällen sind meist die sogenannten Triptane, die ursprünglich zur Therapie von Migräne entwickelt wurden. Werden sie in das Unterhautfettgewebe gespritzt oder als Nasenspray genutzt, wirken sie schneller als klassische Tabletten. Allerdings eignen sich Triptane nicht zur Vorbeugung, da sie bei dauerhafter Einnahme selbst Kopfschmerzen auslösen können.

Vielfach ist die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske hilfreich. Warum genau diese Maßnahme zur Linderung der Schmerzen führt, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt.

Spezielle Medikamente kommen zum Einsatz, um die Attackenhäufigkeit und –stärke zu vermindern. Dabei ist vor allem der sogenannte Calciumantagonist Verapamil zu nennen, der auch bei Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck verwendet wird.